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Nachhaltige Brücken­planung neu gedacht

Mi., 21.01.2026

KliNa Projekt des Monats 01/2026. 

Wien, 15. Jänner 2026. Die von FCP entwickelte SOFiSTiK-LCCO₂-Schnittstelle, ermöglicht es, Brückenvarianten bereits in der Entwurfsphase automatisiert über den gesamten Lebenszyklus hinweg ökologisch, ökonomisch und strategisch zu vergleichen und damit nachhaltige Entscheidungen dort zu treffen, wo sie den größten Hebel haben.

Wie können ökologische Auswirkungen von Bauwerken bereits in der Entwurfsphase messbar und vergleichbar gemacht werden? Mit genau dieser Fragestellung haben Kolleginnen und Kollegen aus dem Competence Center Brückenbau und Tragwerksanalyse des Ziviltechnikbüros FCP eine innovative Lösung entwickelt, die nachhaltige Entscheidungen dort ansetzt, wo sie den größten Hebel haben: ganz am Anfang des Planungsprozesses.

LCCO2 meets Sofistik

Eine Programmschnittstelle in SOFiSTiK liest künftig die Mengenangaben automatisiert aus parametrisierten Tragwerksmodellen aus. Diese Daten bilden die Grundlage für Berechnungen im hausintern entwickelten LCCO₂-Tool (Life Cycle Cost & CO₂), mit dem unterschiedliche Varianten über den gesamten Lebenszyklus hinweg effizient verglichen werden können – ökologisch, ökonomisch und strategisch.
 

Nachhaltigkeit als strategischer Kernparameter

Das Entwicklerteam, bestehend aus Iztok Arnuga, Dominik Suza und Rebecca Lampe, fasst die zentrale Innovation in einem Satz zusammen: „Wir berücksichtigen ökologische Auswirkungen bereits in der Entwurfsphase des Projekts als strategische Kernparameter.“

Dank einer Python-Schnittstelle und parametrisierten SOFiSTiK-Modellen stehen die relevanten Eingangsparameter automatisiert für Auswertungen im LCCO₂-Tool zur Verfügung. Damit wird Nachhaltigkeit nicht nachträglich bewertet, sondern aktiv mitgeplant. Ein klarer Vorteil gegenüber herkömmlichen Ansätzen, bei denen ein BIM-Modell häufig erst dann vorliegt, wenn wesentliche Entscheidungen bereits getroffen wurden.
 

Variantenvergleich am Beispiel der Steyrbrücke

Ein praktisches Anwendungsbeispiel ist die Variantenuntersuchung der Steyrbrücke in Oberösterreich (B138 Pyhrnpass Straße, km 51.817), einer Straßenbrücke über die Steyr. Untersucht wurden unterschiedliche Tragwerkslösungen – Stahlbeton, Spannbeton sowie Verbund-Fertigteil-Träger – und deren Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus.
Bereits in einer sehr frühen Planungsphase konnten alternative Entwürfe anhand ihrer CO₂e-Emissionen bewertet und die Ergebnisse zusätzlich über Kennzahlen wie kg CO₂e pro Kubikmeter plausibilisiert werden.
 

Mehr als Ökologie: ganzheitlicher Planungsansatz

Der große Mehrwert dieser Entwicklung liegt im ganzheitlichen Ansatz: Neben ökologischen Aspekten werden auch ökonomische und strategische Parameter berücksichtigt – und das deutlich früher als branchenüblich. Gleichzeitig entwickeln Planerinnen und Planer ein echtes Verständnis dafür, welche Stellschrauben ein Bauwerk ökologisch effizienter machen und wie diese gezielt genutzt werden können.
 

Großes Interesse bei öffentlichen Auftraggebern

Die Schnittstelle wurde bereits erfolgreich in einem Projekt getestet und öffentlichen Auftraggebern vorgestellt. Das Interesse ist groß, das Potenzial für zukünftige Anwendungen entsprechend hoch – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Klimaschutz, Nachhaltigkeit und transparente Entscheidungsprozesse im Infrastrukturbau.

 

CC. CC Brückenbau und Tragwerksanalyse

Lage. Oberösterreich, B138 Pyhrnpass Straße km 51.817; Straßenbrücke über die Steyr